Zu einer zeitgemäßen Passionsmusik in der voll besetzten Linzer Ursulinenkirche lud Donnerstagabend der Bachl Chor, dem Fridolin Dallinger (83) seine Passion frei nach dem Evangelisten Markus „Herr, du gingst den Weg des Kreuzes“ zur Uraufführung anvertraute.

Ein bewusst maßgeschneidertes Werk, bei dem der Eferdinger Komponist seine anpassungsfähige Feder einsetzte, alle Fähigkeiten voraussetzend, die einem Amateur-Ensemble zuzumuten sind. Sei es die homogene Klangbildung, die Vortragskultur und Intonationssicherheit oder überhaupt das Engagement jener legendären Chorgemeinschaft, die seit 60 Jahren aktiv ist und über erfreulich frischen Stimmenzuwachs verfügt.

Die Gesamtleitung hat Harald Pill inne, verlässlich und gründlich die Chöre einstudierend, in die das sauber musizierende Blechanquartett unter Andreas Trausner, der präzis artikulierende Sprecher Harald Bodingbauer mit poetisch tief greifenden Texten von Hans Dieter Mairinger, und der bewährte Solist Rudolf Königsecker eingebunden waren. Gerade der dramaturgisch geschickte Aufbau mit Konzentration auf das Wesentliche des Passionsgeschehens lässt die Übergänge zur Musik und ihrer formalen Abwechslung hervortreten.

Dallinger zeigt sich in seiner neuen Schöpfung mit einem Hang zur Freitonalität, bei der die Melodie in breiten, dynamisch beweglichen Bögen favorisiert wird. Kaum ortet man Dissonanzen, hingegen unterstreichen markante rhythmische Einwürfe die Dramatik der Leidensgeschichte. Im Finale verfehlen versöhnliche Dur-Töne nicht ihre Wirkung und hinterlassen einen berührenden Eindruck. Eine Bereicherung der klassischen Passionsliteratur! Der breiten Zustimmung im Publikum konnte Dallinger wieder einmal gewiss sein.

Georgina Szeless

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